11. Dezember 2025

Eine andere Welt ist nicht nur möglich, sie ist bereits auf dem Weg

Text: Ralf Becker
Koordinator „Initiative Sicherheit neu denken“

Heute haben mich Worte von den Pioneers of Change positiv überrascht. Zukunft als Advent statt als Futur, Zukunft als Möglichkeitsraum statt als feste Planung: 

Wie geht Zukunft? 

Vielleicht so: 

  • mit Sehnsucht und lebendigen Bildern statt mit Schreckensszenarien 
  • mit Paradigmenwechsel und nicht nur mit neuen Strategien 
  • mit Konvergenz statt mit Fragmentierung 
  • als überraschendes Adventus, nicht nur als lineares Futurum 

Wo findet Transformation statt? 

Das zeigt uns das Eisberg-Modell der Veränderung: Die sichtbare Spitze – Symptome, Strukturen, Systeme. Aber darunter liegt eine tiefere Ebene: Weltbild, Menschenbild, die grundlegende Art, wie wir Wirklichkeit wahrnehmen. Hier findet die entscheidende Transformation statt.

Wo investieren wir unsere Energie?

In das Bewahren von etwas, das nicht bewahrt werden kann? Oder in den Aufbau dessen, was wirklich zukunftsfähig ist – Strukturen, Beziehungen, Gemeinschaften, die im Moment des Zerfalls tragen können? 

Die entscheidende Frage ist nicht: „Wie können wir Zukunft planen?”, sondern: „Wie können wir Zukunft ahnen?”

Wir können nicht die gleichen Bewusstseinsmuster nutzen, die die Probleme erschaffen haben. Transformation beginnt bei unseren Weltbildern – von Kontrolle zu Vertrauen, von Wissen zu Ahnen, von Isolation zu Verbundenheit und gegenseitiger Unterstützung.

Viele Krisen wurden durch unsere eigenen Reaktionen verschlimmert oder mit erzeugt. Gewalt erzeugt mehr Gewalt statt Frieden.

Ohne Frieden kein ökologischer Übergang. Ohne soziale Gerechtigkeit keine Mehrheiten für Klimaschutz. 

Zukunft entsteht nicht aus isolierten Einzelkämpfen, sondern aus der Fähigkeit, Brücken zu bauen – zwischen Bewegungen, zwischen Generationen, zwischen verschiedenen Weisen des Wissens. Die Kraft liegt in der Verbindung.

Futurum – das kennen wir: die Zukunft, die sich aus Vergangenheit und Gegenwart nach vorne schiebt, wo wir Trends fortschreiben können wie z. B. die Wettervorhersage, die wissenschaftliche Prognose. Futurum ist jener Zeitstrom, der uns aus der Vergangenheit in die Gegenwart setzt. 

Aber dann gibt es Adventus – eine Qualität, wo aus der Zukunft etwas auf uns zukommt. Wir erwarten etwas Ankommendes, schaffen in uns Raum für das, was aus der Zukunft auf uns zukommt. Etwas kommt da an aus der Zukunft und – wupps – ist es da. Advent ist die Zeit, wo Menschen warten auf etwas Wundersames, auf Hoffnung. Da darf auch etwas Überraschendes sein, nach dem Motto: Wie kommt denn das jetzt her? Wie ist das jetzt geschehen? 

„Wir brauchen offene Hände, um die Zukunft empfangen zu können.“

Alfred Strigl

Als Koordinator des Vereins gewaltfrei handeln durfte ich seit dem Jahr 2009 weltweit engagierte Friedensstifter*innen kennen- und schätzen lernen. Seit 2015 trage ich gemeinsam mit anderen Engagierten im Rahmen der Initiative „Sicherheit neu denken“ als Inspiration weltweite Positiv-Beispiele zusammen, wie wir die Konflikte unserer Welt gewaltfreier bewältigen können.

Nächstes Wochenende feiern wir das zehnjährige Bestehen unserer Initiative, die inzwischen auch in den Niederlanden, in Österreich, Frankreich sowie in Zentral- und Westafrika zu ähnlichen Initiativen geführt hat. Dafür bin ich dankbar.

Im Rahmen unserer Initiative denken wir Positiv-Beispiele, die es bereits gibt, weiter in die Zukunft. Wir entwickeln und verbreiten Positiv-Szenarien, wie unsere Zukunft ausschauen könnte, wenn wir diese bereits existierenden Positiv-Beispiele – ähnlich den früher noch kleinen Solar- und Windenergie-Projekten bei uns in Deutschland – weiterentwickeln und wachsen lassen. 

Im Rahmen unseres Projekts Peace for Future konnten wir inzwischen u. a. auch 179 junge Friedensmentor*innen ausbilden, die sich in Online-Seminaren und Online-Austauschräumen zu friedenspolitischen Themen fortbilden. 

In diesem Möglichkeitsraum erleben wir Advent, wir laden die Zukunft aktiv ein, indem wir auf das Positive schauen, das es bereits gibt und das wir gemeinsam ausbauen können.

Herzliche Grüße 

aus der adventlichen Ökumenischen Gemeinschaft in Wethen,

Ralf Becker


www.pioneersofchange.org/wie-geht-zukunft/#video

www.gewaltfreihandeln.org

www.sicherheitneudenken.de

www.peace4future.de

www.oeg-wethen.de