Katholik*innentag 2026

Bericht von Andreas und Georg | Und plötzlich fiel ich in diese Runde herzlich verbundener, schöpfungs- und klimabewegter Christ*innen: Na, so war es und so beginnt mein kurzer Bericht zu den Aktivitäten von Christians for Future (C4F) vom diesjährigen Katholikentag in Würzburg unter dem Motto: „Hab Mut, steh auf!“.
Zwei Jahre zuvor war ich in Erfurt erstmals an einem Stand den C4F begegnet und erhielt seither regelmäßig den Newsletter. Den*die Schöpfer*in preisen und tatsächlich zugleich (im Rahmen unseres ganz normalen Alltagshandelns) die Schöpfung mit Füßen treten; wir Menschen kriegen das hin und wir kriegen es auch hin, uns davor vollständig zu verschließen und es nicht (mehr) wahrzunehmen.
In den Kirchen zumindest können wir zusammenfinden und können diese Spannung, diese Spaltung, diesen Sund, die „Sünde“, dieses Abgetrenntsein thematisieren. Wir können im Gespräch und Gebet bleiben miteinander und wir können uns miteinander bewegen und etwas tun.
Die noch beeindruckende Kälte im Mai im Würzburg, der herzliche Empfang mit Fahrradwege-Coaching durch die Familie von Birgit und Christian, die uns mit Schlafquartier, gutem Frühstück und Gesprächen herzlich willkommen hießen, und natürlich die Standdienste am Stand von C4F und die Workshops. Das war mein Katholikentag.

Der Stand von C4F, zwischen der CSU, der Linken und der Konrad-Adenauer-Stiftung. Wir waren bei den Parteien gelandet, ein schöner Platz gleich an der bei Tourist*innen beliebten alten Mainbrücke, in früheren Zeiten der einzigen und auch für den Autoverkehr einspurig freigegebenen. Im Nachkriegswürzburg war das Automobil eben wohl noch eher ein Einzelereignis.
Bei den Standdiensten hat mich am meisten beeindruckt (neben dem fleißigen Blaumeisenpärchen im Baum gegenüber), wie viele Menschen in Kirche und Gesellschaft ernsthaft und mit bestem Willen in der notwendig erkannten Transformation von Alltag und Arbeit unterwegs sind, um gutes Leben für alle auf diesem herrlichen Erdenrund auch weiterhin zu ermöglichen.
Manchmal kommt es auch vor, dass die Botschaft, doch dem Klimawandel, dem Verlust an Vielfalt des Lebensgewebes (Biodiversität) etwas entgegenzusetzen, verkürzt moralisierend etwa so verstanden wird: Das, was Du tust, ist schlecht, Du musst Dich ändern und zugleich bist Du verwirrt, überfordert und Dir fehlen die Möglichkeiten, etwas zu tun. Das kann sich ausweglos anfühlen und erzeugt Druck, der dann in eine Kopf-in-den-Sand-Haltung umschlagen kann oder in eine aggressive Verweigerung.
Für mich bedeutet das eine Abkehr von moralisierender Verurteilung. Wir müssen es gemeinsam lösen. Wir müssen es zusammen tun. Wir müssen uns miteinander verbinden und dürfen nicht zulassen, dass jemand abgehängt wird oder frustriert zurückgelassen. Und wir dürfen nicht schweigen über die, die weiterhin die Welt verbrennen und ihre Profite damit machen.
Ja, und wir brauchen auch sichere Räume, um unser Herz zu öffnen für das Leiden der Natur, das Leiden von Menschen und der stöhnenden Schöpfung. Sich dem Leiden öffnen bedeutet, den Mut zu haben, tatsächlich das zu sehen, zu fühlen und zu erleben, was weh tut. Wer will oder kann das schon einfach so, ohne Schutz? Das braucht Mut und Verbundenheit in Gemeinschaft. Wir können das vielleicht, wir Christ*innen: auch das Schwere gemeinsam tragen, uns nicht in alle Richtungen zerstreuen, wenn es schwer wird, sondern zusammenbleiben, im Gebet und im Handeln dann entschieden und konsequent das hoffentlich Rettende oder Lindernde tun.
Es ist leichter, es nicht für wahr zu nehmen und den Klimawandel und seine Konsequenzen zu verleugnen, insbesondere, wenn man keine Handlungsmöglichkeiten sieht.
Kompensation steigender Temperaturen? Wem gelingt es leichter, wer ist besonders vulnerabel? Mit dem Thema Obdachlosigkeit und Hitze beschäftigte sich der Workshop von Georg und Carmen. In menschlichen Lebenslagen können sich verschiedene Risikofaktoren bündeln, was im Ergebnis dazu führt, dass bestimmte Personen oder Personengruppen besonders schutzlos dem Hitzestress ausgeliefert sind und ein stark erhöhtes Risiko aufweisen, in Hitze zu versterben (Mortalitätsrisiko).
Wenn wir von Klima-Gerechtigkeit sprechen, dann fällt auf, dass grade diejenigen, die durch vielfach erhöhte CO2-Emissionen besonders stark zum Klimawandel beitragen, oft diejenigen sind, die am wenigsten unter den Folgen der Erderhitzung leiden, etwa weil sie über mehr Ressourcen zur Anpassung verfügen und oft zudem in weniger erhitzten Lagen wohnen.
Und wenn wir als Christ*innen dorthin gehen, wo es weh tut, dann müssen wir das ansprechen und auch Hilfe anbieten, bspw. Kirchen als verhältnismäßig kühle Räume im Sommer öffnen, Wasser bringen, Menschen aus der Hitze holen. Insbesondere in intoxikierten Zuständen besteht akute Lebensgefahr.
Den Dingen auf den Grund, genauer gesagt auf den Boden gegangen wurde in dem World-Café Eine Handvoll Erde – verraten und verkauft? Das Dilemma von Eigentum und Gemeingut, unter anderem von Charlotte von Christians for Future.
Wem gehört die Welt? Wem gehört der Ackerboden? Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft AbL setzt sich bspw. mit einer Initiative für die Gemeinwohlverpachtung von Ackerland ein. Verpachtungen erfolgen noch oft ökonomistisch und Flächen werden nach Höchstgebot vergeben. Dagegen wendet sich die Initiative der AbL, die möchte, dass die Verpachtung nach bestimmten Kriterien erfolgen soll. Dadurch sollen gesunde Lebensmittel Vorrang haben, vor Ort Arbeitsplätze geschaffen und Tierwohl und Artenschutz gefördert werden wie auch eine klimaangepasste Wirtschaftsweise.
Ich persönlich als Pächter einer Kleingartenparzelle freue mich sehr darüber, dass es bei mir summelt und brummelt durch verschiedenartigste Insekten, Vögel und Molche. Ich freue mich über alle und versuche auf kleinstem Raum von 385 Quadratmetern der lebendigen Vielfalt Ihren Platz zu geben. Und neben mir im World-Café sitzt ein Landwirt, der zusammen mit drei anderen Bauern eine Fläche von 700 Hektar beackert oder bewirtschaftet. Welchen Zielen folgt er? Was sind seine Visionen?
Dass wir unter dem verbindenden Dach des Katholikentages miteinander reden können, so sehr unterschiedliche Menschen, aus so sehr unterschiedlichen Perspektiven, das ist ein echter Segen und ein Geschenk für uns alle. Dafür bin ich dankbar.
Bis der Boden wirklich wieder denen gehört, die darauf leben, als Gottesgeschenk unveräußerbar und mit der Aufgabe, ihn zu bewahren und zu verbessern, versehen, solange sollten wir zumindest im Rahmen synodaler Bewegungen darauf schauen, dass die im Eigentum der Kirchen befindlichen Ackerflächen nach Gemeinwohlkriterien verpachtet werden. Und ich bin dankbar für jeden Hektar Ackerland im Besitz der Kirchen vor Ort und ich verbinde das mit der Hoffnung, dass unser Umgang mit Gottes guter Schöpfung ein anderer, ein besserer ist. Zu der Verpachtung von Kirchenland und Landwirtschaft im Allgemeinen gibt es seit kurzem auch einen Arbeitskreis bei Christians for Future.
Ein ähnliches Thema wie bei Hitze und Obdachlosigkeit haben wir im Workshop „Queer in der Klimakrise“ bearbeitet, organisiert von Kaja und Georg. Queere Menschen sind aufgrund von Diskriminierung (z. B. Zugang zu Notunterkünften) und ihrer Folgen (psychische und physische Erkrankungen, Obdachlosigkeit etc.) im Durchschnitt stärker als andere von der Klimakrise betroffen. Dies haben wir im Workshop mit den Teilnehmenden zusammen erarbeitet. Es gibt aber nicht nur Menschen, die besonders betroffen sind, sondern auch die, die besonders viel Zerstörung verursachen: Die Folgen von Ungleichheit und der Anhäufung von Reichtum haben Kerstin und Anja von Christians for Future bei „Ungleichheit verstehen – materiellen Reichtum hinterfragen“ thematisiert.
Dabei wurden die vielen Teilnehmenden zu einer Reflexionsreise durch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eingeladen, um das Spannungsfeld zwischen christlichem Glauben, Wohlstand und ökologischer Krise zu beleuchten. Zentrales Anliegen dabei war, zu verdeutlichen, dass Reichtum oft Konfliktpotenzial birgt und Ungerechtigkeiten verstärkt.

Im Workshop „Das liebe Geld, Divestment, Franziskus und ich“ hatten wir im Rahmen eines sehr gut besuchten World-Cafés die Gelegenheit, unsere Divestment-Kampagne vorzustellen. Hundert Menschen wissen nun mehr darüber, wie Geldanlagen der kath. Kirche teilweise immer noch in Kohle, Öl und Gas angelegt werden – und was sie dagegen tun können.
Viele von uns sind Eltern. Deswegen war uns der Workshop „Eltern sein in der Klimakrise“ von Kerstin, Julia und Franz Josef ein besonderes Anliegen. Hier konnte man mit anderen Eltern erarbeiten, wie man mit Kindern über die Klimakrise reden und sich für die Zukunft der eigenen Kinder einsetzen kann.
Als Aktivist*innen sind wir natürlich nicht nur bei Workshops geblieben: Am Samstag haben wir zusammen mit einigen anderen Gruppen (z. B. Nein & Amen) eine Demo/Prozession organisiert, zu der auch Luisa Neubauer gekommen ist. Ein klares Zeichen, dass wir nicht aufhören werden, in jeder Form unsere Stimmen für Klimagerechtigkeit zu erheben.
Viel Arbeit am Stand, viele Workshops und eine super Gemeinschaft engagierter Christ*innen – das war unser Katholikentag 2026. Nun beginnen die Planungen für den Kirchentag.
(Bilder bereitgestellt von Georg)